Mehrsprachigkeit

Sprecherin: Prof. Dr. Kristin Kersten

Das Profil der Forschungseinheit Mehrsprachigkeit

In einem zusammenwachsenden Europa und einer zunehmend globalisierten Welt wird es immer unerlässlicher, Kinder so früh wie möglich, nämlich zu Beginn ihres lebenslangen Lernprozesses, auf ein Leben in einer multikulturellen und multilingualen Gesellschaft vorzubereiten. Die europäische Bildungspolitik hat sich eine funktionale Mehrsprachigkeit der Bürger ihrer Mitgliedsstaaten in mindestens drei Sprachen zum Ziel gesetzt und fordert einen Frühbeginn des Fremdsprachenlernens schon im Vorschulalter und in der Grundschule, um dieses Ziel zu erreichen.


Bilinguale Bildungsprogramme stehen dabei in einem besonderen Fokus, da internationale Forschung wiederholt gezeigt hat, dass intensives bilinguales Lernen, wie zum Beispiel in Kitas und Grundschulen, die nach dem Immersionsprinzip arbeiten, als die erfolgreichsten Vermittler dieser Kompetenzen gelten. Sie bilden einen Schwerpunkt der Studien in dieser Forschungseinheit.


Ein Forschungsdesiderat liegt auf dem Spracherwerb von mehrsprachigen Kindern, die mehrere Sprachen gleichzeitig als Muttersprache erwerbend, und die in Kita und Grundschule mit Deutsch und Englisch zwei weitere Sprachen als Fremdsprache erlernen. Forschungsergebnisse über die sprachliche Entwicklung und die Schulerfolge von Kindern mit einem so genannten Migrationshintergrund sind uneinheitlich und bescheinigen diesen Lernern sowohl Nachteile wie auch Vorteile. Weitere umfassende Studien sind hier notwendig, um die Einflussfaktoren auf den (Fremd-)spracherwerb ein- und mehrsprachiger Kinder detaillierter zu erfassen.


Dies gilt ebenso für andere so genannte "at risk"-Gruppen. Durch die Öffnung der Schulen für Kinder mit besonderem Förderbedarf im Rahmen der Inklusion werden die schulischen Lerngruppen zunehmend heterogener. Auch die Fremdsprachenvermittlung in regulären und bilingualen Programmen ist gefordert, sich auf diese veränderte Situation einzustellen. Bilinguale Programme bieten durch ihren inhaltsbasierten Fokus und ihrem methodischen Schwerpunkt auf Differenzierung und multisensorisches Lernen ein besonderes Lernumfeld für Lernergruppen mit unterschiedlichen Kompetenzen, deren Rahmenbedingungen es genauer zu untersuchen gilt.


Forschungsfragestellungen der Forschungseinheit Mehrsprachigkeit umfassen unter anderem:

  • Einflussfaktoren des Fremdspracherwerbs in regulären und bilingualen Programmen
  • Zusammenhang von kognitiver, muttersprachlicher und fremdsprachlicher Entwicklung im Kindesalter
  • soziale und kulturelle Bedingungen von Fremdsprachenerwerb
  • unterrichtliche Bedingungen und Prinzipien der Sprachverwendung in bilingualen Programmen
  • organisationale Gelingensbedingungen von bilingualen Kita- und Schulprogrammen
  • die Einstellungen und die Entwicklung von Lehrkräften in bilingualen Programmen